Dienstag, 24. März 2026

5 New York City mit Dichteraugen

 

So, die Fleischhauer Kolumnen sind endlich geschafft (siehe post #2), da greif ich mir vom 2026er Lesetapel gerne etwas leichtere Kost. Nicht dass ein Leben im Exil mit wenig Geld ein Leichtes wäre, aber 92 Seiten mit vielen Grafiken (von Gertrude Degenhardt) und Gedichten, das flutscht besser als politische Kolumnen. 

Da hätten wir also zwei Aufsätze von der beliebten Dichterin MASCHA KALéKO vereint in dem dtv Büchlein "Der Gott der kleinen Webefehler". Kaleko emigrierte 1938 in die USA, lebte dort mit Mann und Sohn bis 1966 (manche google-Antworten sagen bis 1959?) Die Aufsätze "Lower Eastside" und "Greenwich Village" wurden 1963 für eine Stadtserie des NDRs (Beschreibungen einer Stadt) gedruckt. Die kleine dtv Ausgabe veröffentlicht hier auch einen Vortrag von Mascha, den sie 1956 bei ihrem 1.Besuch zurück in Deutschland vortrug.  Zum Schluß gibt es noch eine Beschreibung Horst Krügers über ein Treffen mit ihr 1974...                      Stadtbeschreibungen zu lesen sind sicherlich weniger spannend, wenn man selbst noch nie dort gewesen ist. Ich war zwar viele Male in NYC , kenn aber nur Greenwich Village. Bin mal bei Eiseskälte in Chinatown und im East Village rumgetapert, doch die Lower Eastside liegt nun mal genau dazwischen.  Es ist eh alles kein Vergleich zu 60, 70 Jahren nach Kalékos Zeit.  Ihr kleine Anekdoten beschreiben die jüdischen Immigranten. "Jews without Money".  Viele davon als Schneider tätig, wobei sich der Titel mit den Webefehlern auf minderwertige (=billige) Stoffe, Kleidung bezieht, die es in den kleinen Läden auf der Lower Eastside damals zuhauf gab.

Ach, da fällt mir gerade der bayerische Schriftsteller Oskar Maria Graf ein, ja, der wanderte 1938 auch in den Big Apple aus; auch er lebte fast 30 Jahre dort. 

Allerdings trennten die beiden 10 Meilen, denn Graf wohnte ganz oben im Norden von Manhattan. Er lief in Lederhosen rum, konnte kein Englisch, gründete einen deutschen Exil-Stammtisch.  Oskars Buch handelt zwar von seinem Leben, er verpackt es aber als Roman mit der Hauptfigur Martin Ling, der sich einfach nicht amerikanisieren mag und sich nur in deutschen Kreisen aufhält. In sofern ist "Die Flucht ins Mittelmässige" (1959- mit 590 Seiten!)  schon richtige Exilliteratur, während die Essays von Mascha nur kleine Beschreibungen ihrer Umwelt sind. Anyway, dieses Büchlein wird ruckzuck verschlungen. ... So 26.03.... Fazit: muss man auch als New York Fan nicht gelesen haben. Man erfährt dabei nichts über Mascha, es sind reine Momentaufnahmen vom Straßenbild. In der Lower Eastside geht es um das Leben der jüdischen Einwanderer, in Greenwich Village eher um Touristeninfo, wo was ist. Sie erklärt zB, wie man diesen Stadteil ausspricht:  grinnitsch willidsch. Lustigerweise erwähnt sie tatsächlich Oskar Maria Graf (auf S.59) und seinen Stammtisch, der anfangs im Village stattgefunden hat.  

Mehr zur Maschas Geschichte Greenwich Village damals

Mehr zum Exil Stammtisch von Graf: Stammtisch

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