Als Kind der 70er Jahre fallen mir immer sofort Grafiken, Typografien oder Ähnliches aus dieser Dekade auf und begeistern mich. So nahm ich neulich von irgendeinem Buchhaufen diesen wunderbaren Titel von Christiane Nöstlinger (1936- 2018), dieser vielseitigen Kinder-und Jugendbuchautorin aus Österreich. Wunderbar natürlich auch durch die herrlichen Zeichnungen von Angelika Kaufmann (*1935). Es macht ja nicht nur Kindern Spaß, wenn auf jeder 3.Seite prima Bilder zur Geschichte zu sehen sind. Beltz & Geberg war schon als junger Teen ein Lieblingsverlag von mir; die Werke in Orange sind genauso herausstechend wie die knallgelben vom Märzverlag. Nun, diese Geschichte handelt von einem 10-Jährigen, der in Wien mit Oma, Mama und Schwester wohnt, sich selbst einen Spitznamen gibt, und wie er sich so durch den Alltag schlägt. Dabei meistens an einem grünen Lolli schleckend, die er sich beim Freund und Gemischtwarenhändler Otto besorgt. Jedes Kapitel handelt von einer Episode, mal geht es um eine hübsche Klassenkameradin, die ihn ausnimmt wie 'ne Weihnachtsgans, mal um die Suche nach einem Freund. Abwechslungsreich und altersgerecht. Eine runde Sache. Erschienen im glorreichen Jahr 1977.
Lesen macht warme Gedanken
15 Seiten pro Tag müssen drin sein - Bücherstapel 2026
Montag, 21. September 2026
Sonntag, 16. August 2026
14) Die Moralisten
Bei diesem Schinken handelt es sich um einen New York Staatsanwalt, der eine reiche Geschäftsfrau wegen Prostitution und anderen Delikten anklagt. Nur als junger Bursche kannte Mike Keyes sie, die ihm damals schon den Kopf verdreht hat; da hat Marja aber noch in armen Verhältnissen gelebt. Durch den Blick in die Vergangenheit beleuchtet Robbins abwechselnd Marjas Leben bis es wieder zurück in den Gerichtssaal ins Jetzt geht. Unterschiedliche Erzählperspektiven sind immer hilfreich, denn der erste Jetzt- Teil wird aus der Sicht des Staatsanwalts beschrieben. Die Charaktere füllt Robbins mit genug Leben, dass sich Leser schnell in die Protagonisten hineinversetzen können. Der Plot geht gut voran, die Schicksale machen neugierig. Harold Robbins (1916- 1997, New Yorker) hatte seine eigene prime time in den 50er und 60er Jahren und die Zeit stellt auch immer der Hintergrund seiner Bücher, viele von denen als Serien verfilmt. Können Leser im 21.Jahrhundert solche action Schmonzetten noch lesen? Ich hab keine Ahnung. Warum ich boomer so was lese? Hey, man darf auch mal 'ne Seifenoper gucken.
Samstag, 18. Juli 2026
13) Ab ins Grab
"An diesem Morgen, es ist der 3.August 1993 und zugleich der dritte Tage seines nicht ganz legalen Kurzurlaubs an der Algarve, wacht Baldur Mönchert unausgeschlafen und mißmutig auf. Auch der Blick auf die neben ihm liegende Manuela Kichelt, eine zauberhafte Blondine, heitert ihn nicht auf. Er verspürt kein Verlangen sie zu wecken,..." Wenn das nicht vielversprechend ist. :-). Ich fand's irgendwie sympathisch, aber natürlich echt old school. OK, der Seitensprung in Portugal vom Chef Baldur und seiner Assistentin Manuela endet natürlich nicht zum Besten, aber erst auf sage und schreibe Seite 90 geschieht das Unglück. Das Buch hat aber nur 186 Seiten. Naja, alles ging plötzlich ganz schnell, die Todesnacht fiel sozusagen ins Wasser (der Mord unerwähnt), und wie kann es anders kommen: Ich musste diese Schwarte leider beiseite legen, so viel Geduld hab ich nicht. Interessant war aber bis dahin, die Beschreibungen, wie sich Ossis und Wessis am Hotelpool oder in der Bar begegnen, das hat was so, rückblickend... Wer sich mehr in die Ostdeutsche Kriminalgeschichten vertiefen möchte, tut das mit diesem taz blog am besten. Why not. Jedem Tierchen, sein Plaisierchen, gell? DDR Krimi
Mittwoch, 17. Juni 2026
12) 'n büschen OSHO
Fazit nach 4 Monaten mit Lesestapel: ich werd ihn dieses Jahr nicht kleinkriegen. Zu viel Tage gehen ohne Lesen, nur mit sinnlosem Scrollen ins Land. Trostlos. Man, das smartphone wegzulegen ist so hart, auch mit fast 64. Wie mag es da nur den armen Kids gehen, die ja noch nie ein wirkliches Lesevergnügen kennengelernt haben, nur visuell stimuliert wurden? Oh man.... Tja und wenn's einem dann noch etwas mies geht, muss mal wieder die SELF-HELP Ecke geplündert werden. Göttin-sei-dank, hab ich da noch nicht alles rausgeworfen. Aber 2 von 3 Osho books sind schon abhanden gekommen. Wieso ich nur noch sein "Intelligence" aufgehoben hab, keine Ahnung, aber gut war es. Als viele Studenten nach Pune in Indien reisen wollten, um dort an Oshos Lippen zu hängen, hatte ich gar kein Interesse an diesem Guru, den Anführer der Baghwan Bewegung in den 70ern, der dann ja nach Oregon auswanderte und dort gerne mit einem Rolls Royce durch die Landschaft fuhr. Aber als ich viele Jahre später selbst in Indien lebte, dachte ich, ich schau mal, was der so gefaselt hat. Und - quelle surprise- das war nicht übel. Diese Lesereihe besteht weiter aus den Bänden Freude, Kreativität, Freiheit, Mut, Weisheit, Intimität, Intuition, Moral und Reife. Im Band Intelligenz geht es natürlich nicht um den IQ, sondern um das Herzenswissen. Also, lieber mit dem Herz als mit dem Kopf leben, jede Aktivität achtsam ausführen usw und so fort. Man, hat es eigentlich oft genug gelesen, wendet es aber doch nie an. Der Mensch, ein hoffnungsloser Fall. Aber OSHO zu lesen bringt etwas Hoffnung in den verkrampften Alltag, insofern freu ich mich, dass er da ist. Naja in den Zeilen. Gestorben ist Osho schon 1990 mit nur 60 Jahren.
Mittwoch, 27. Mai 2026
11) Abstecher nach Serbien
Sodele, da wir gerade 2 Wochen in Belgrad verbracht haben und es dort in der Innenstadt eine wunderbare Buchhandlung gibt, so wie es in Belgrad überraschender Weise von Buchhandlungen nur so wimmelte, fand ich zufällig diese kleine Anekdotensammlung vom serbischen Autor und Zeichner MOMO KAPOR (1937-2010). Ein Führer zur serbischen Mentalität. Kapor hat auch ein Buch mit dem Titel "Der Zauber von Belgrad" verfasst; das wäre vielleicht noch besser gewesen, aber mein "Guide" handelt im Grunde fast nur von Belgrad, insofern alles paletti. 317 Seiten sind es, wobei jede 3. oder 4. Seite seine Illustrationen den Platz füllt. Die kleinen Essays sind nie länger als 3 Seiten, also verdauliche Happen für den Touristen. Obwohl Kapor einmal behauptet, er sei keineswegs nostalgisch veranlagt, handelt das Buch fast nur von wehmütigen Rückblicken, wie sein schönes Belgrad einmal war und jetzt einfach nicht mehr ist. Oft vergleicht er es auch mit anderen europäischen Städten oder den Besuchen in Amerika. Gerade seine Geschichte über Kneipen -bzw Restaurantbars war lustig, denn in Serbien gibt es zwar Bars als Möbelstück sozusagen, aber da soll sich gefälligst keiner hinstellen. Dort wird nicht bedient. Ab an den Tisch mit dir, du Säufer. Wenn er allerdings erzählt, dass Serben Angst vor Eiswürfeln und Durchzug haben, naja, das müssen Seniorenängste sein, denn jetzt habe ich mit meiner Cola immer Eiswürfel bekommen, auch mehr als 1, und in meiner Straße im Viertel Vracar hatten viele ihre Fenster geöffnet (sonst erstickt man nämlich in den Räumen, die nur zu einer Seite hin Fenster haben). Alles in allem ein hilfreiches Werk für Leute wie mich, die bisher keinen blassen Schimmer von Serbien hatten.
Sonntag, 3. Mai 2026
10) Kleider machen Leute
Tja, der Kinky Friedman (Post 9) musste tatsächlich Gottfried Keller weichen. Welcher Teufel hat mich da geritten? Ich hatte die Novelle von 1874 "Kleider machen Leute" , ein sogenannter Klassiker deutschsprachiger Literatur, in der Schule nie gelesen. Da ich aber neulich eine Diskussion mit meinem 18-Jährigen Enkel über das Thema hatte - mehr Respekt durch bessere Kleidung; besser als Jogginghosen zB- dachte ich, nun sei es an der Zeit, sich einmal diesem kleinen Werk von 62 Miniseiten (im Reklamverlag natürlich) zu widmen. Und ich war baff, wie SPANNEND sich diese Geschichte in Windeseile entwickelte, und ich sie einfach nicht beiseite legen konnte. Eine seltene Angelegenheit. Ja, wenn ein junger Schneider in der Schweiz durch einen Zufall in die Kutsche des Grafen Strapinski steigen kann (ohne den Grafen darin), der, wie wir erst später erfahren selbst Strapinski heißt, heiliger Bimbam, dann kann der Leser was erleben. Denn Schneiderlein trägt auch noch einen ungewöhnlich edlen Mantel und eine besondere Mütze, so dass er beim Aussteigen am nächsten Gasthof doch glatt für den Grafen persönlich gehalten wird. Na, und was dann passiert, das könnt ihr gerne selber lesen. Trotz des altmodischen Deutsch' sehr gut zu lesen. Eine wahre Freude. Dass Keller (1819 -1892) Züricher war, wusste ich nicht. Und dass diese Novelle ein Teil einer ganzen Serie von Novellen der Dörfer Seldwyla und Goldach war, wurde ebenfalls erst jetzt klar. Diese Geschichte könnte man wunderbar für die Jugend des 21.Jahrhunderts umschreiben, aber vielleicht hat das schon einmal jemand getan.
Die ersten Sätze : "An einem unfreundlichen Novembertage wanderte ein armes Schneiderlein auf der Landstraße nach Goldach, einer kleinen, reichen Stadt, die nur wenige Stunden von Seldwyla entfernt ist. Der Schneider trug in seiner Tasche nichts als einen Fingerhut, welchen er, in Ermangelung irgendeiner Münze, unablässig zwischen den Fingern drehte, wenn er der Kälte wegen die Hände in die Hosen steckte, und die Finger schmerzten ihn ordentlich von diesem Drehen und Reiben..."
Donnerstag, 23. April 2026
9) Privatdetektiv
3.Mai: So sorry, aber war wieder abgelenkt von einem anderen Werk (Post Nr.10) und somit steht das Fazit noch aus.... 13.August: SO, Kinky Friedman ist geschafft. Große Konzentrationsprobleme in letzter Zeit und deshalb kein 100% Lesegenuss, aber da kann John Wayne ja nichts für. Alles in allem ein witziger Krimi mit sehr viel ironischen Gesprächen, aber relativ wenig tatsächlicher Action. Man muss diese schrägen Typen lieben. Aber ein texanischer PI, der permanent Zigarre raucht, Whiskey säuft, 'ne Katze hat und ständig Sprüche klopft, ja mei, why not. Ich fand den Fall ganz gut, Kink musste seinem Freund helfen, seine tatsächliche Mutter zu finden. Und da sich herausstellte, dass die steinreich war und ein Cousin ihn abhalten will, zu erleben, wird die Suche nach Muttern ganz schön brenzlig. Es ist eine Art "5 Freunde" in New York für Erwachsene mit schrägem Humor. Mir gefiel es.






