So, Meister Timpe nicht zu Ende gelesen, weil zu archaisch, die Fleischhauer Essays nicht mit in den Urlaub genommen, und die Short Story von FG Fitzgerald (The Diamond as big as the Ritz) auch nach 8 Seiten beiseite gelegt. Geduld ist nicht meine Stärke. Irgend jemand im internetz sagte neulich, man soll einem Buch folgende Chance geben : 100 Seiten minus dein Alter. Also für mich mindestens 36 Seiten ausprobieren, bevor man NIET sagt. Klappt halt nicht immer. Es gilt, je älter man wird, desto weniger Lebenszeit mit Mist verschwenden (auch wenn es wahrscheinlich kein Mist ist, aber es trotzdem nicht gefällt). In Neapel gibt es die berühmte Feltrinelli Buchhandlung, die göttinseidank, auch englische Bücher verkauft. Dort fand ich dann die "Notes to John" von Joan Didion dessen Stil ich sehr mag. Sie schreibt super Essays, ist bekannt geworden mit ihren Beobachtungen der Hippiezeit in Kalifornien und später durch ihren Bericht über den Verlust von Ehemann und Tochter. Die "Notes" sind ihre Notizen an den Ehemann, den Schriftsteller John Dunne, gerichtet, die sie nach Psychiater Sitzungen schrieb und vor allem von den Schwierigkeiten mit dem Alkoholismus ihrer erwachsenen Adoptivtochter handeln. Nun könnte man meinen "was geht mich deren Familienprobleme an?", stimmt, und es ist teils auch etwas nervig zu lesen, denn sie spricht zwar direkt Ihren Mann mit 'you' an, erzählt aber was der Psychologe oder sie selbst oder die Tochter oder John dann und dann zu dem und dem Thema geäussert haben. Kann für den Leser etwas durcheinander gehen. Trotzdem, wer selbst Probleme mit erwachsenen Kinder hat, wird in ihren Notizen viel Interessantes erfahren, denn ihr Psychologe macht sehr hilfreiche Kommentare über allgemein menschliches Verhalten und Beziehungsfragen zwischen Eltern und Kindern. FAZIT: Die NOTEs bieten viel Stoff zum Nachdenken. Wer gerade selbst Therapiesitzungen erlebt, erkennt vielleicht, ob sein Therapeut gut oder nicht so fit ist. Auch Partnern von Alkis können bestimmt vom Buch profitieren. Wer allerdings bisher noch gar nichts von Joan Didions Familie / ihrem Leben gehört hat, für den wäre das Buch auch unter eben genannten Aspekten kein Gewinn. Und wer übrigens in Neapel lieber Neapel Bücher liest, kann Elena Ferrantes "Meine Geniale Freundin" und deren 3 Folgeromane lesen. Jedem Tierchen sein Plaisirchen.

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